Prof. Dietger Jacob
- Gesangslehrer aus Leidenschaft

EIN DANKESCHÖN FÜR PROF. DIETGER JACOB


Ein Erfahrungsbericht von Petra Wolf-Perraudin:

Für Prof. Rolf Liebermann war er an der Hamburger Staatsoper als Gesangsdozent im Einsatz, dann als langjähriger Professor für Gesang an der Musikhochschule Köln.

Prof. Dietger Jacob war äußerst erfolgreich in der Ausbildung junger Sänger besonders für das Wagnerfach.
Nach meinem Studienabschluss 1983 ging ich neben den Meisterklassen in erste Engagements und erkannte die Notwendigkeit, mich weiterhin intensiv für die Bühne fortzubilden und zu trainieren.

Es war mein Wunsch, ständig an mir zu weiter zu arbeiten, auch, wenn es bereits Preise bei Wettbewerben oder auch begeisterte Intendanten und Sängerkollegen gab.
Ich selbst spürte eigene Defizite und die Gefahren des jungen Sängers am eigenen Leib, auf die man mich früh genug vorbereitet hatte.
Die Bühne "verschlang" einen jungen Sänger geradezu, dennoch galt es, nicht zu forcieren.
So wollte ich mehr und vor allem von einer anderen Seite über Atem und die Stütze erfahren.

Ein guter Gesangslehrer ist schwer zu finden und besonders wichtig ist, dass der Lehrer, zu dem jeder Musiker eine fachlich begründete Beziehung erhält, zu einem passen muss - gemeint ist:
in seiner menschlichen Art, seiner Stimme, seinen Ansichten, der Herangehensweise und fachlichen Kompetenz, im Umgangston und natürlich in der künstlerischen sowie methodisch-didaktischen Kompetenz.

Aufgrund meines Doppelstudiums in Hamburg war mir die physiologisch- funktionale Basiskompetenz bezüglich der Stimmarbeit und Stimmeinschätzung, wie sie bereits bei meiner Hochschul-Gesangsdozentin Ks. Prof. Gisela Litz vorhanden war, besonders wichtig. 1985 fuhr ich nach Studienabschluss noch einmal zur Sommerakademie nach Salzburg, um ausschließlich die Lehrerfrage voranzubringen.

Ich hospitierte wieder bei Prof. Paul von Schilhawsky und von dort aus bei Kapazitäten wie Elisabeth Schwarzkopf, Rita Streich, Elisabeth Grümmer u. Hugo Dietz (beide als Gesangslehrer sehr überzeugend) und suchte die Interpretationsklasse von Kammersängerin Christa Ludwig auf.

1986 nach der Erfahrung meiner intensiven, privaten Studienphase bei ihr, entschloss ich mich, nach konsequenter Suche eines neuen Stimmfachmanns mit großer Erfahrung und hoher Qualifikation, die von Dauer und Aufbaufähigkeit sein sollte.

Zu Gast als Stipendiatin bei der Richard-Wagner-Gesellschaft in Bayreuth war ich von der Leistung und Verkörperung der international bekannten Mezzosopranistin Waltraut Meier als Kundry so begeistert, dass ich sie nach ihrer umjubelten Vorstellung auf ihren Lehrer hin ansprach.

Ich hatte bereits von Prof. Dietger Jacob in Hamburg gehört und wollte gern ihre Erfahrung und Einschätzung wissen.
Frau Meier war trotz aller Anstrengung der Vorstellung freundlich bis zugänglich kollegial und plauderte mit mir eine ganze Zeit - in aller Ruhe. Das sei ja ein wichtiges Thema, bestärkte sie mich aus ihrer Sicht. Sie kenne keinen besseren Gesangslehrer. Und in der Tat waren seine im Engagement stehenden Schüler mehr als qualitativ überdurchschnittlich bis hervorragend, stimmlich von überzeugender Substanz und darstellerischer Ausstrahlung.

So machte ich mich auf, intensiv mit Prof. Jacob zu arbeiten.
Prof. Jacob war ein hochsympathischer, offener und gern zu Scherzen aufgelegter Mensch.
Er besaß eine Autorität, die eher unauffällig auf Augenhöhe stattfand.

Inhaltlich bot er mir genau jene Schwerpunkte, die ich dringend erlernen und festigen wollte.
Der Preis hieß, gesangliche Neuorientierung, was bei einem Lehrerwechsel die Regel ist.
Vieles in der Jacobschen Technik (nach Husler) bedeutete deshalb intensiveres Training in kompakter Form und konsequentes Umlernen.

So fuhr ich - manchmal auch nur für nur eine Gesangsstunde - von Hamburg nach Köln oder Langenfeld, wenn es für die Aufbauphase wichtig war …schließlich habe ich lange genug nach dem richtigen Lehrer gesucht. Mein Interesse an seinem Wissen war so stark, dass ich Prof. Jacob wochenlang bei der Umsetzung eines Lehrbuchmanuskripts über seine Methodik, das er zur Herausgabe bei einem Fachverlag vorsah, tippen und redigieren half.

In dieser Zeit habe ich mich völlig neu erlebt.
Meine Kräfte wuchsen und ich bekam mehr Stimmgefühl und Stimmbewusstsein.
Meine Schwachpunkte entwickelten sich zu Stärken.
Stimme wurde zu einer körperlichen Erfahrung, und die bei mir brennende Frage nach der rechten Stütze wurde klar.

Die schwierigen Engagements während dieser Zeit, mit 125 Vorstellungen großer Partien pro Jahr, konnte ich mit Hilfe seiner Unterweisungen gut überstehen.
Der stimmliche Substanzzuwachs und die konsequente Gesangstechnik waren fühlbar und nicht zu überhören.

1986 erhielt ich den Sängerförderungspreis der Stadt Salzburg.

Prof. Jacob war eine authentische, liebenswerte und sehr geschätzte Persönlichkeit.
Ich danke ihm für alles, was ich durch ihn erlernt habe.
Vor allem die letzten, gemeinsamen Lektionen in Hamburg an der Elbchaussee, wo ich auch seine Frau, die sympathische Kollegin der Düsseldorfer Oper, die Mezzosopranistin Hildegard Hartwig häufig antraf, werden mir in starker, sehr positiver Erinnerung bleiben.
Mit Prof. Jacob studierte ich von 1986-1991.