Maestro Franco Corelli
- Internationaler Startenor und Belcanto-Legende



In Italien angesehen als "IL RÉ DEI TENORI"

- in Ancona geboren, 2003 in Milano gestorben
- vor seiner Gesangslaufbahn Schiffsbauingenieur
- Corelli studierte am Konservatorium von Pesaro und Mailand
Bekannt wurde Corelli vor allem als Spinto-Tenor der italienischen und französischen Opernliteratur von Verdi, Donizetti, Puccini, Massenet, Bizet und Zeitgenossen.

Ob in seiner legendären Rolle als "Jahrhundert- Chénier", als Don José in Carmen, Manrico im Troubadour, als Calaf in der Oper Turandot neben Birgit Nilsson und Radames in Aida neben Leontyne Price, als Poliuto an der Seite von Maria Callas - die klangvolle Strahlkraft seiner Stimme, das Ebenmaß seiner fundierten Gesangstechnik, seine feinfühlige Musikalität und die außergewöhnliche Ausstrahlung seiner Persönlichkeit machte seine Auftritte zu atemberaubenden Sternstunden italienischer Gesangskunst und brachten ihm Weltruhm.

Nach seinem Debüt 1954 an der Mailänder Scala folgten internationale Auftritte u.a. in
Covent Garden/London, Arena di Verona, Hamburg, an der Metropolitan Opera New York, wo er von 1961 bis 1975 in 368 Auftritten regelmäßig zu sehen war.

Besonders einzigartig war seine strahlende, absolut sichere Höhe und musikalisch ehrliche Interpretation in Verbindung mit seinem männlichen Erscheinungsbild.
Vor allem unter Kennern wurde er bewundert wegen seiner brillanten, sängerischen Hochleistungsfähigkeit, der Qualität seiner Töne, seines nicht enden wollenden Atems und seiner kräftigen Stütze für höchste Töne und lange Notenwerte – eine Brillanz, die damals absolut ohne technische Hilfsmittel wie Korrekturen durch Verstärker oder Backstage-Cover, wie sie heute eingesetzt werden, auskam.

Seine Frau Loretta di Lelio-Corelli, Sopran und Belcanto-Spezialistin, war ihm die wichtigste Beraterin und in Allem seine wichtigste, zur Seite stehende Kraft und Stütze.
Nur ganz Wenige wissen, dass hinter diesem sensationellen Weltstar ein liebenswürdiger, sensibler und zurückhaltender Mensch steckte.
Franco Corelli lebte viele Jahre in New York.
1976 zog sich Corelli viel zu früh von der Bühne zurück.
Nach längerer Krankheit starb er im Oktober 2003 in Mailand.

Nachzuschlagen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Franco_Corelli
http://www.geocities.com/Vienna/Strasse/3468/corelli.htm
http://www.gay-tip.com/de/100301/100147/view/516/franco_corelli_tenor_gaytip_historische_aufnahmen.html
http://www.francocorelli.org/mylife.html
http://www.operacast.com/corelli.htm
http://chalosse.free.fr/masterpieces/step-one/corelli-2.htm
http://www.grandi-tenori.com/tenors/corelli/corelli_p4.php
http://www.youtube.com/watch?v=avjNx_J1iHo

EIN DANKESCHÖN FÜR
MAESTRO FRANCO CORELLI und ganz besonders seiner Frau,
LORETTA DI LELIO-CORELLI


Ein Erfahrungsbericht von Petra Wolf-Perraudin:

Italienisches Repertoire zu singen, so authentisch und so gut wie möglich, das war bezüglich meiner Vorstellungen und meines Naturells erstrebenswertes Ziel und mein tiefster Wunsch.


Schon in meinen Studienjahren fühlte ich mich der italienischen Opernliteratur näher als der deutschen und erlebte mich musikalisch eher als "Italiana" denn als " Wagneriana".
Doch leider scheint man in hiesigen Breiten als Sänger deutscher Abstammung nahezu zu deutschem Opern-Repertoire verdammt, was mir immer außerordentlich unverständlich war.

Das war nicht immer so – zum Beispiel:
Die Lieblingssängerin Verdis war eine deutsche Sopranistin namens Theresa Stolz.
Ihr hat er die größten Sopranpartien gewidmet.

Nach meinen ersten Partien des italienischen Mezzosopran-Repertoires im Engagement, führte mich die Erfahrung zu dem Wunsch der Vervollkommnung der italienischer Gesangstechnik.

In meinen intensiven Studienjahren hatte ich bereits unzählige Belcanto-Opernabende an großen Häusern mit den Starbesetzungen erlebt, z. B. zahlreiche Premieren an der Hamburger Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen oder Premieren von Francesco Ciléas Adriana Lecouvreur in München mit Margret Price und Neil Shicoff und kannte auf diese Weise die Präsenz und Leistung berühmter Belcanto-Stimmen.
Die richtige Einschätzung ihrer Leistung erfuhr ich an mir selbst erst später, in meinen Berufsjahren, durch eigene sängerische Erfahrung und meinen Einsatz physischer Höchstleistung, die in manchen Partien grenzüberschreitend gefordert war.

Als wichtiges Schlüsselereignis für meinen Folgeweg erinnere ich mich an folgende Begebenheit: Ein Sänger-Kollege, selbst Kenner der italienischen Gesangskunst, hatte mir 1989 ein Video zur Demonstration eines Jahrhundert-Ereignisses der Belcanto-Kunst vorgeführt.
Es handelte sich um einen Arienabend mit Auftritten in New York und Japan - der Welt- und Jahrhundert-Stimme Franco Corelli, dem Nachfolger von Caruso... Ich hörte ihn zum ersten Mal.

Der Gesang von Franco Corelli hatte für mich etwas besonderes, faszinierendes, fast irreal Übermenschliches:
Ich vernahm die mir denkbar herrlichste Stimme einer noch lebenden Sänger-Persönlichkeit, die mich zu langem, andächtigen Schweigen brachte.
Diese Mühelosigkeit der Töne Franco Corellis, seine große Musikalität, Emotionalität und Authentizität waren einfach atemberaubend. Dabei hat er seine Gesangskunst so natürlich unverkrampft und wunderbar eingesetzt. Es war eine grandiose Leistung.

Dass diese "erste Begegnung" mit Franco Corelli jedoch schon bald ein Wende- und Angelpunkt für mich werden würde, hätte ich zu jenem Zeitpunkt niemals für möglich gehalten!

Im Frühjahr 1991 fuhr ich zwischen Gastspielen beruflich nach Wien.
Dort traf ich einen Agenten, der mir das Projekt einer Belcanto-Meisterklasse für begabte Nachwuchssänger vorschlug, die erst- und einmalig im Sommer 1991 in Wien stattfinden sollte.
Als ich vernahm, wer diese Meisterklasse leiten würde, erschrak ich vor Freude und Ungläubigkeit zugleich, es war Franco Corelli, der sensationelle Tenor.
Ich habe sofort zugesagt und belegte kurz entschlossen einen Intensiv-Italienischkurs in Bologna, um eine der wichtigsten Teilnahmebedingungen, die Unterrichtssprache Italienisch, zu erfüllen.

Im Sommer war es dann soweit – der Meisterkurs begann im Wiener Konservatorium.
Die Teilnehmer kamen aus allen Himmelsrichtungen und waren teilweise schon seit Jahren im Sänger-Geschäft.
Nach 5 Vorsingen wurden die Aktiven bekannt gegeben.
Die Situation glich einem Wettbewerb hoher Kategorie.

Drei Wochen lang wurde dann hart und intensiv gearbeitet:
Einzelunterricht bei Signora Loretta di Lelio - Corelli, wunderbare Sopranistin, Belcanto-Spezialistin und hervorragende Pädagogin.
Es folgten Vorsingen und Einzelunterricht bei Franco Corelli – das Ehepaar inhaltlich "auf einer Linie" mit Vokalizzi, Esercizi... und gelegentlich auch eine Korepetition der Arien.

Der Höhepunkt gipfelte in einem Abschlusskonzert im Kawai-Saal, das vom ORF aufgezeichnet wurde.
Es wurden viele Ehrengäste erwartet – so auch Herr Domingo –, die sich nach dem Konzert Backstage gratulierend zeigten.

In Wien erhielt ich von dem Ehepaar Corelli das Angebot und die Ehre neben zwei anderen Kollegen meine Belcantostudien mit ihnen weiter fortzusetzen.
Eine große Ehre.

Zur italienischen Gesangstechnik:
Nach deutscher Lehrmeinung und Auffassung ist der Belcanto ein Gesangsstil, den man als Interpretationsstil sozusagen einfach lernen und dann nach Belieben einsetzen kann.

Aus Erfahrung aber weiß ich seitdem, dass eine andere, "italienische Gesangstechnik" erlernt werden muss, die durch Koordination von Stimme und Atmung, die Kunst der Linie und weichen Stimmführung großer Bögen erst möglich macht,
die Stimmen körperreich ausbildet und durch ein trainiertes Zwerchfell die Verbindung von Dramatik und Beweglichkeit ermöglicht.

Die Fähigkeit zum Belcantogesang ist nach der Sicht meiner jahrelangen Erfahrung abhängig von der speziellen Methodik der Gesangsschule, vom Bewegungsverhalten der Sprechwerkzeuge, von der Kehlposition und der Atemführung, der physischen Selbstwahrnehmung und der Hörerfahrung, sowie von der Lehre des italienischen Interpretationsstils.
Die wohl wichtigste Grundlage für gute Stimmführung aus italienischer Sicht ist das Training des Zwerchfells und der "Stütze" – sempre fiato.
Den Irrglauben, das Können des Belcanto wäre abhängig von Nationalität, Kultur oder gar Geburt, möchte ich widerlegen, denn als Europäer haben wir einen Kulturkreis und sind anatomisch gesehen eine Gattung.
Das die Beweglichkeit der Sprechwerkzeuge und vor allem klangliche Sprechverhalten unterscheidet sich im europäischen Nord-Süd-Gefälle jedoch drastisch und könnte, durch unterschiedliches Trainingsverhalten der Muskulatur, in Verbindung mit Kehlverhalten und Kehlposition, einen wichtigen Einfluss auf die innere Resonanzentwicklung der Stimme haben.


Meine Erwartungshaltung gegenüber dem Lernaufwand der Belcanto-Technik war eine Fehleinschätzung:

Für das Erlernen des soliden italienischen Handwerkszeugs im Rahmen des Belcanto spricht der Italiener von zehn Jahren.
Mit der Meisterklasse begann mein Weg des Begreifens, das Studium aus Leidenschaft – und meine Erfüllung.

Die Umstellung auf die neue italienische Technik bedurfte der längeren Zeit für das Training von Bewusstsein, Koordination, Zwerchfell, Kehle und Muskeln.
Danach ist sängerisch alles leichter geworden, klarer, selbstverständlicher und viel subtiler.

Nachbetrachtung meiner Studienwege:

Diese Belcanto-Gesangstechnik war nach der deutschen Schule von Prof. Litz und folgend Prof. Jacob meine dritte mehrjährig erworbene und konsequent trainierte Gesangstechnik, in der ich endlich vollkommen Erfüllung fand.

Diese Zeit des Studierens hat mein Leben verändert und mich glücklich gemacht – der wunderbare Kontakt zu den Maestri, sowie die Reisen nach Milano wurden wie selbstverständlich – und zu meinem "musikalischen Zuhause".

Den größten Teil der künstlerischen Umsetzung des Belcanto – verdanke ich vor allem Professoressa Loretta di Lelio-Corelli als Belcanto-Sopranistin, Belcanto-Kennerin und hervorragender Gesangspädagogin, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat.

Ich habe unendlich viel gelernt,
Wesentliches erkannt,
das Wichtigste musikalisch erreicht.

Ich bedanke mich sehr und möchte nichts davon missen!